Schnelle Hilfe bei Schlaganfall im Neurozentrum

PD Dr. med. habil. Torsten Kraya, Chefarzt der Klinik für Neurologie

PD Dr. med. habil. Torsten Kraya © Klinikum St. Georg

Ein Interview mit PD Dr. Torsten Kraya

Im Gespräch beleuchtet er die erweiterte Stroke Unit am Klinikum St. Georg: Wie die modernisierte Station Schlaganfallpatienten rund um die Uhr versorgt und welche Maßnahmen Leben retten können.

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall – jede Minute zählt. Um Betroffene optimal zu versorgen, wurde die Stroke Unit innerhalb des interdisziplinären Neurozentrums am Klinikum St. Georg in den vergangenen Jahren ausgebaut und technisch modernisiert. Chefarzt PD Dr. Torsten Kraya erklärt im Gespräch, wie die Behandlung abläuft, warum Vernetzung so wichtig ist und was jeder Einzelne zur Vorbeugung tun kann.

Herr Dr. Kraya, was genau ist eine Stroke Unit – und was hat sich in Leipzig in den letzten Jahren verändert?

Eine Stroke Unit ist eine spezialisierte Schlaganfallstation, auf der Patienten rund um die Uhr überwacht und behandelt werden. Bei uns am Klinikum St. Georg haben wir die Einheit 2021 zunächst auf neun Betten erweitert und im März 2025 auf zwölf Betten ausgebaut. Die neuen Räume liegen jetzt in direkter Nähe zur Intensivstation, was die Versorgung von akut schwer erkrankten Patienten deutlich verbessert. So können wir im Notfall noch schneller reagieren – und das kann entscheidend sein.

Warum ist diese Erweiterung so wichtig?

Die Zahl der Schlaganfälle nimmt zu, und gleichzeitig werden die Behandlungen komplexer. Durch den Ausbau können wir mehr Betroffene zeitnah aufnehmen und auf höchstem Niveau versorgen. Außerdem arbeiten wir im Schlaganfallnetzwerk TESSA, in dem wir Partnerkliniken in Nordsachsen teleradiologisch unterstützen. So profitieren auch Patienten anderer Häuser von unserer Expertise.

Ihr Bereich ist zertifiziert. Was bedeutet das für Patienten?

Unsere Stroke Unit ist von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe zertifiziert. Dieses Siegel garantiert, dass wir alle Struktur- und Prozessstandards erfüllen – von klaren Abläufen über geschulte Teams bis hin zu regelmäßigen Qualitätskontrollen. Für Patienten bedeutet das Sicherheit und Verlässlichkeit in einer akuten Ausnahmesituation.

Welche Behandlungsmethoden kommen bei Ihnen zum Einsatz?

Wir setzen alle modernen Verfahren der Akuttherapie ein – und das rund um die Uhr. Dazu gehört z. B. die Thrombolyse, bei der ein Blutgerinnsel medikamentös aufgelöst wird, sofern der Schlaganfall früh erkannt wird. Bei größeren Gefäßverschlüssen wird eine mechanische Thrombektomie durch spezialisierte interventionelle Neuroradiologen durchgeführt: Das Gerinnsel wird mithilfe eines Katheters direkt entfernt. Beide Verfahren müssen sehr schnell erfolgen. Deshalb gilt bei uns: „Time is brain“ – jede Minute zählt.

PD Dr. med. habil. Torsten Kraya

PD Dr. med. habil. Torsten Kraya © Klinikum St. Georg

 

Wie wird die Qualität der Abläufe kontrolliert?

Wir messen regelmäßig, wie schnell wir in den entscheidenden Phasen reagieren – von der Aufnahme bis zur Therapieeinleitung. Unser Ziel ist, den Gefäßverschluss innerhalb von 90 Minuten zu beseitigen. Wöchentliche Schulungen, Teamvisiten und interne Audits stellen sicher, dass wir diese Standards nicht nur halten, sondern kontinuierlich verbessern.

Wie sieht die Betreuung auf der Stroke Unit konkret aus?

Die Behandlung ist Teamarbeit. Auf der Station arbeiten Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten und medizinisch-technische Assistenten eng zusammen. Wir überwachen permanent Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Temperatur, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Im neurovaskulären Board werden komplexe Fälle gemeinsam mit Kollegen aus der Gefäß- und Neurochirurgie, der Neuroradiologie und der Kardiologie besprochen, um für jeden Patienten die optimale Therapie festzulegen.

Wie viele Patienten werden jährlich behandelt?

Wir versorgen inzwischen über 1.000 Schlaganfallpatienten pro Jahr. Durch die erweiterten Kapazitäten können wir auch komplexe Fälle aus dem Umland übernehmen. Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine 24-Stunden-Bereitschaft sichern eine qualitativ sehr hochwertige Behandlung. Neben dem UKL sind wir das einzige Zentrum in der Region mit Maximalversorgungsstrukturen, d.h. Vorhandensein einer Stroke Unit, einer Klinik für Neuroradiologie und spezieller Intensivmedizin.

Was kann man selbst tun, um einem Schlaganfall vorzubeugen?

Sehr viel! Entscheidend sind regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung – am besten mediterran – und der Verzicht auf Nikotin. Wichtig ist außerdem, Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen konsequent zu behandeln und Medikamente regelmäßig einzunehmen. Wer seine Gefäße schützt, senkt nicht nur das Schlaganfallrisiko, sondern beugt auch Herz- und Nierenerkrankungen vor.

Wie sehen Sie die Zukunft der Schlaganfallversorgung in Sachsen?

Im vergangenen Jahr haben sich die drei großen sächsischen Schlaganfallnetzwerke zur gemeinsamen Geschäftsstelle „Stroke Link Sachsen“ zusammengeschlossen. Ziel ist es, die Versorgung im gesamten Bundesland zu vereinheitlichen und weiter zu verbessern – egal ob in Stadt oder Land. Das ist ein wichtiger Schritt, um allen Betroffenen eine bestmögliche, wohnortnahe Behandlung zu ermöglichen.

About the Author