Ein Interview mit Dr. med. Csaba Tóth
Im Gespräch mit dem Chefarzt des Instituts für Pathologie und Tumordiagnostik wird deutlich, welche zentrale Rolle die Gewebeuntersuchung spielt und warum sie die Grundlage jeder gezielten Krebstherapie bildet.
Wenn bei einer Untersuchung Gewebe entnommen wird, beginnt die Arbeit eines Fachgebiets, das viele Menschen kaum kennen: der Pathologie. Hier wird geklärt, ob ein Befund harmlos oder bösartig ist – und welche Merkmale für die Behandlung entscheidend sind. Dr. med. Csaba Tóth, Chefarzt am Institut für Pathologie und Tumordiagnostik, erklärt, warum sein Fach für die Krebsdiagnose unverzichtbar ist.
Herr Dr. Tóth, was genau macht die Pathologie?
Wir untersuchen Gewebeproben, die bei Operationen oder Biopsien entnommen werden. Ohne die Pathologie gibt es keine gesicherte Krebsdiagnose – und damit keine gezielte Therapie. Zuerst betrachten wir das Gewebe mit bloßem Auge, dann unter dem Mikroskop. Je nach Befund setzen wir spezielle Färbungen oder molekulare Analysen ein, um möglichst genaue Ergebnisse zu erhalten.
Viele Menschen verbinden Pathologie vor allem mit Obduktionen. Stimmt das?
Das stimmt nur zum Teil. Obduktionen sind ein kleiner, aber wichtiger Teil unserer Arbeit. Unser Hauptfokus liegt jedoch auf der Diagnostik bei lebenden Patienten. Wir liefern die Grundlage, damit Ärzte eine passende Therapie festlegen können – vor allem bei Krebserkrankungen. Wann kommen Sie im Behandlungsprozess ins Spiel? Sehr früh. Sobald bei einer Vorsorge oder wegen eines Verdachts Gewebe entnommen wird, kommen wir ins Spiel. Wir klären, ob die Veränderung gutartig ist oder ob es sich um Krebs handelt. Wenn ein Tumor nachgewiesen wird, führen wir weitere Untersuchungen durch, um ihn genau zu charakterisieren. Diese Ergebnisse sind entscheidend für die Therapieplanung im sogenannten Tumorboard. Auch nach einer Operation überprüfen wir das entnommene Gewebe genau. So erkennen wir, ob zusätzliche Behandlungen notwendig sind.
Was passiert im Tumorboard?
Im Tumorboard beraten mehrere Fachrichtungen gemeinsam – zum Beispiel Onkologen, Chirurgen, Radiologen und Pathologen. Auf Basis der pathologischen und bildgebenden Befunde wird eine Therapieempfehlung aus mehreren Perspektiven erstellt. So entsteht ein individuell abgestimmter Behandlungsplan.
Welche Untersuchungen führen Sie durch?
Der größte Teil unserer Arbeit findet am Mikroskop statt. Je nach Befund nutzen wir zusätzlich moderne Verfahren. Mit der Immunhistochemie können wir bestimmte Eiweiße im Gewebe sichtbar machen. Bei Tumorerkrankungen wie Brustoder Darmkrebs bestimmen wir Faktoren, die wichtig für die Prognose und Therapie sind. Eine besondere Situation ist der sogenannte Gefrierschnitt während einer Operation: Dabei erhalten wir frisches Gewebe direkt aus dem OP und geben innerhalb von etwa 20 Minuten eine erste Einschätzung. Dieses Ergebnis kann den weiteren Operationsverlauf direkt beeinflussen.
Mit welchen Abteilungen arbeiten Sie besonders eng zusammen?
Vor allem mit den operativ tätigen Fächern und den internistischen Kollegen. Sie senden uns Proben oder Operationspräparate zur Untersuchung. Durch die räumliche Nähe im Klinikum können wir uns schnell abstimmen – auch während einer Operation, etwa bei einer Gefrierschnittdiagnostik. Unsere Befunde fließen unmittelbar in die Tumorboards ein und werden dort gemeinsam mit radiologischen und klinischen Informationen besprochen.
Wo arbeitet Ihr Team – und wer gehört dazu?
Unser Institut befindet sich im denkmalgeschützten Haus 18 auf dem Klinikgelände. Das Gebäude wurde 2006 komplett saniert und bietet moderne, helle Arbeitsräume. Im Team arbeiten acht Ärzte – sechs Fachärzte und zwei in Ausbildung – sowie 18 nichtärztliche Mitarbeitende: medizinisch-technische Assistenten, Sekretariatskräfte und Obduktionsassistenten. Wir versorgen nicht nur das Klinikum St. Georg, sondern auch weitere medizinische Einrichtungen in der Region.
Haben Patienten direkten Kontakt zur Pathologie?
In der Regel nicht. Unsere Arbeit läuft meist im Hintergrund. Trotzdem begleiten wir den gesamten Behandlungsweg – von der ersten Gewebeprobe bis zur Therapieplanung. Es ist mir wichtig, dass Patienten verstehen, was wir tun. Deshalb halte ich regelmäßig öffentliche Vorträge über Krebsentstehung und die Rolle der Pathologie.
Was sollten Patienten über Ihr Fach wissen?
Unsere Arbeit bildet die Grundlage für jede Therapieentscheidung. Wir analysieren Tumoren sehr genau, damit Behandlungen individuell und wirksam geplant werden können. Auch wenn man uns selten sieht – ohne Pathologie wüssten viele Ärzte gar nicht, welche Krankheit sie genau behandeln. Wir sind also ein zentraler, wenn auch oft unsichtbarer Teil jedes Behandlungsteams.

