Gefäßerkrankungen im Gehirn gezielt behandeln

Wenn Blutgefäße im Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten, kann das schwerwiegende Folgen haben – oft ohne Vorwarnung. Umso wichtiger sind frühzeitige Diagnosen und individuell abgestimmte Therapien.

Der Leitende Oberarzt Dr. Rödel in derneurovaskulären Sprechstunde.

© Klinikum St. Georg

Veränderungen der Hirngefäße können lange unbemerkt bleiben oder plötzlich zu einem akuten Notfall führen. Gefäßaussackungen, Fehlbildungen oder Blutungen im Gehirn gehören zu den Erkrankungen, bei denen eine präzise Diagnose und eine sorgfältig abgestimmte Therapie entscheidend sind. Viele dieser Erkrankungen lassen sich heute minimal-invasiv über Katheter behandeln. In anderen Fällen ist eine neurochirurgische Operation nötig. Die neurochirurgische Behandlung solcher Erkrankungen erfolgt am Klinikum St. Georg im Neurozentrum. Dort arbeiten Neurochirurgie, Neurologie, Neuroradiologie, Gefäßchirurgie und Intensivmedizin eng zusammen. „Bei vielen Hirngefäßerkrankungen müssen wir sehr genau abwägen: Welche Behandlung schützt das Gehirn am besten und erhält gleichzeitig wichtige Funktionen?“, erklärt Dr. med. Lars Rödel, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie.

Welche Hirngefäßerkrankungen
auftreten können

Unter dem Begriff Hirngefäßerkrankungen – auch neurovaskuläre Erkrankungen genannt – werden verschiedene Störungen der Blutversorgung des Gehirns zusammengefasst.

Häufige Krankheitsbilder sind:

  • Schlaganfälle durch
    Gefäßverschlüsse
  • Hirnblutungen, zum Beispiel eine sogenannte Subarachnoidalblutung
  • Aneurysmen (Gefäßaussackungen)
  • Arteriovenöse Malformationen (Fehlverbindungen zwischen Arterien und Venen)
  • Cavernome (gutartige Gefäßknäuel im Gehirn, die bluten können)

 

Manche dieser Erkrankungen verursachen plötzlich schwere Symptome und müssen sofort behandelt werden. Andere werden eher zufällig entdeckt – etwa bei Untersuchungen wegen Kopfschmerzen oder Schwindel. Dann stellt sich die Frage, ob und wann eine Behandlung notwendig ist.

Diese Warnzeichen sollten ernst genommen werden

Wenn ein Hirngefäß plötzlich verschließt oder reißt, können schwere neurologische Symptome auftreten. Typische
Warnzeichen sind:

  • Plötzlich auftretende Lähmungen
  • Sprach- oder Sprechstörungen
  • Plötzlich starke, ungewohnte Kopfschmerzen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Epileptische Anfälle

 

Treten solche Symptome auf, muss sofort medizinische Hilfe gerufen werden. „Bei Schlaganfall oder Hirnblutung handelt es sich immer um eine dringende Situation, die schnell behandelt werden muss“, betont Dr. Rödel.

Wann eine Operation notwendig wird

Nicht jede Gefäßerkrankung im Gehirn muss operiert werden. Ob ein Eingriff sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa von der Art der Erkrankung, ihrer Lage im Gehirn und vom individuellen Risiko für Komplikationen. Welche neurochirurgischen Eingriffe möglich sind, wird hier aufgezeigt:

  • Das sogenannte Clipping zum Verschließen von Aneurysmen
  • Die Entfernung von Gefäßfehlbildungen wie AVMs oder Cavernomen
  • Operationen bei Hirnblutungen
  • Entlastende Eingriffe bei starkem Hirndruck

 

In manchen Fällen werden Operationen mit minimal-invasiven Katheterverfahren kombiniert, bei denen Gefäßveränderungen von innen behandelt werden. „Entscheidend ist immer eine sorgfältige Abwägung zwischen dem Risiko der Erkrankung und dem Risiko eines Eingriffs“, erklärt Dr. Rödel.

Therapieentscheidungen im Neurozentrum

Die Behandlung von Hirngefäßerkrankungen erfordert häufig die Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen. Am Klinikum St. Georg werden viele Fälle deshalb in einer interdisziplinären Fallkonferenz besprochen. Dort bewerten Neurochirurgen, Neurologen, Neuroradiologen und weitere Spezialisten gemeinsam alle Befunde. Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob

  • eine Operation notwendig ist,
  • ob ein minimal-invasives Katheterverfahren sinnvoll ist
  • oder ob zunächst eine Beobachtung ausreicht.

 

Diese gemeinsame Entscheidung hilft dabei, für jeden Patienten eine möglichst sichere und individuell passende Therapie zu finden.

Wenn eine Gefäßveränderung
entdeckt wird

Wird eine Gefäßveränderung ohne akute Beschwerden entdeckt, erfolgt zunächst eine Vorstellung in der neurovaskulären Sprechstunde. Dort besprechen die behandelnden Ärzte gemeinsam mit den Patienten die Befunde und mögliche Behandlungsstrategien. Wenn ein Eingriff notwendig ist, werden die einzelnen Schritte ausführlich erklärt. Auch nach der Behandlung bleibt das Team eng eingebunden. Regelmäßige Kontrollen helfen, mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen. „Viele Entscheidungen in der Neurochirurgie müssen individuell getroffen werden. Wichtig ist, dass Patienten die Situation verstehen und gemeinsam mit uns den passenden Weg wählen können“, sagt Dr. Rödel.

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