Wenn ältere Menschen psychisch erkranken, ist oft unklar, wer hilft und was als Nächstes zu tun ist. In Leipzig sorgt nun die Kommunale Fallbesprechung dafür, dass Fachkräfte gemeinsam die Betroffenen besser unterstützen.
Wenn ältere Menschen psychisch erkranken, sind oft viele Stellen beteiligt – Ärzte, Pflegedienste, Angehörige, soziale Dienste. Besonders bei Demenz, Depression oder Angststörungen wird die Versorgung schnell unübersichtlich. In Leipzig hilft jetzt ein neues Angebot: die Kommunale Fallbesprechung des Gerontopsychiatrischen Netzwerks Leipzig.
Ein Tisch für alle Beteiligten
„Die Kommunale Fallbesprechung ist eine strukturierte, interdisziplinäre Beratung“, erklärt Stefanie Höfer, Netzwerkkoordinatorin beim Verbund Gemeindenahe Psychiatrie Leipzig am Klinikum St. Georg. Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen entwickeln gemeinsam Lösungen für komplexe Versorgungssituationen – etwa, wenn Pflege, medizinische Behandlung und soziale Betreuung abgestimmt werden müssen. Ziel ist, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und ihnen ein Leben im gewohnten Umfeld zu ermöglichen.
Eingeladen sind Fachkräfte, Angehörige und alle, die bei der Versorgung älterer Menschen mit psychischen Erkrankungen auf Herausforderungen stoßen. Das Angebot richtet sich an alle Beteiligten im Gesundheits-, Sozial- und Pflegesystem.
So läuft die Beratung ab
Einmal im Monat, jeweils am ersten Montag von 15 bis 16 Uhr, findet online ein sogenanntes Fallbesprechungsfenster mit einem Expertenteam statt. Teilnehmen können Fachkräfte, Angehörige und Betroffene.
Wer Unterstützung braucht oder einen Fall vorstellen möchte, schreibt eine EMail an gepsy@sanktgeorg.de – am besten mit einer kurzen Beschreibung der Situation und einem gewünschten Zeitfenster.
Nach der Begrüßung wird der Fall vorgestellt, anschließend analysieren die Teilnehmenden gemeinsam die Problemlage und erarbeiten konkrete Handlungsempfehlungen. Diese werden schriftlich festgehalten, sodass sich gezielt weitere Schritte planen lassen.
Bei besonders komplexen Situationen kann zusätzlich eine Fallkonferenz stattfinden, bei der weitere Einrichtungen eingebunden werden. Voraussetzung ist die Zustimmung der betroffenen Person.
Typische Themen
In der Fallberatung geht es häufig um Demenz, Verhaltensauffälligkeiten, Herausforderungen im Alltag oder ethische Fragen. Auch Schnittstellenprobleme zwischen verschiedenen Einrichtungen spielen eine Rolle – etwa, wenn unklar ist, wer zuständig ist oder welche Angebote es gibt. „Gerade bei psychischen Erkrankungen im Alter braucht es enge Zusammenarbeit“, betont Stefanie Höfer. „Nur wenn sich alle Beteiligten abstimmen, können Betroffene und Angehörige wirklich entlastet werden.“
Vernetzung für mehr Lebensqualität
Das Leipziger Gerontopsychiatrische Netzwerk ist Teil der Kommunalpsychiatrischen Gemeinschaft (KpG) Leipzig. Beteiligt sind Kliniken, Pflegeeinrichtungen, ambulante Dienste, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und kommunale Ämter – etwa die Psychiatriekoordination des Gesundheitsamts oder das Netzwerk „Leipziger Kooperation Pflege“ des Sozialamts. Zur besseren Koordination wurde im März 2024 beim Verbund Gemeindenahe Psychiatrie am Klinikum St. Georg Leipzig eine Netzwerkstelle eingerichtet. Sie wird aus Mitteln der sozialen und privaten Pflegeversicherung gefördert.
Gemeinsam wollen die Partner die Versorgung älterer psychisch kranker Menschen besser aufeinander abstimmen, Doppelstrukturen vermeiden und die Selbstbestimmung der Betroffenen stärken. Ein Schwerpunkt liegt auf reibungslosen Übergängen zwischen Krankenhaus, Pflege und ambulanter Versorgung. Ebenso wichtig ist, Versorgungslücken zu erkennen und Leitlinien für eine gute Zusammenarbeit zu entwickeln.
Gemeinsam Versorgung verbessern
Das Netzwerk beteiligt sich außerdem regelmäßig an Veranstaltungen wie der Woche der Demenz und organisiert Fachtage zur gerontopsychiatrischen Versorgung. „Wir möchten die Versorgung älterer psychisch kranker Menschen in Leipzig gemeinsam besser machen“, sagt Stefanie Höfer. „Dafür braucht es den Austausch zwischen allen Beteiligten – vom Hausarzt bis zur Pflegekraft, von der Angehörigenberatung bis zum Krankenhaus.“
Kontakt & Information
Wer Fragen hat oder Unterstützung sucht, kann sich direkt per Mail an das Netzwerk wenden: gepsy@sanktgeorg.de
Mehr Informationen, Anmeldebögen und Materialien wie Checklisten, Merkblätter, Postkarten oder Poster gibt es auf der Webseite: www.sozialpsychiatrie-in-sachsen.de/gepsy


