Diagnostik und Therapie des Leberzellkrebses am Klinikum St. Georg: Diese Form entwickelt sich oft unbemerkt auf dem Boden chronischer Erkrankungen. Regelmäßige Kontrollen ermöglichen eine frühe Erkennung und individuelle Behandlungen.
Leberzellkrebs – in der Fachsprache hepatozelluläres Karzinom (HCC) – entsteht aus den Zellen der Leber selbst. In den meisten Fällen entwickelt er sich im Zusammenhang mit einer länger bestehenden Lebererkrankung. Das HCC ist kein Tumor, der plötzlich auftritt. Fast immer geht ihm eine chronische Schädigung der Leber voraus“, sagt Prof. Dr. med. Ingolf Schiefke, Chefarzt der Gastroenterologie und Hepatologie.
Wenn die Leber über Jahre belastet wird
Häufig entwickelt sich ein Leberzellkrebs auf dem Boden einer Leberzirrhose – einer fortgeschrittenen Vernarbung des Organs. Zu den wichtigsten Ursachen gehören langjähriger Alkoholkonsum sowie Stoffwechselerkrankungen wie eine ausgeprägte Fettleber, die häufig mit Übergewicht oder Diabetes verbunden ist. Seltener sind in Deutschland chronische Virusinfektionen wie Hepatitis B oder C die Ursache. Auch angeborene Stoffwechselstörungen können eine Rolle spielen. „Wichtig ist: Wer eine bekannte Lebererkrankung hat, sollte regelmäßig kontrolliert werden. So können Veränderungen früh erkannt werden“, betont Prof. Schiefke.
Warum Leberkrebs oft lange unbemerkt bleibt
Die Leber besitzt im Inneren keine Schmerzrezeptoren. Ein Tumor kann daher lange wachsen, ohne Beschwerden zu verursachen. Frühzeichen sind oft unspezifisch – etwa Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust. Erst in späteren Stadien können deutlichere Beschwerden auftreten, dazu gehören zum Beispiel: Schmerzen oder Druckgefühl im rechten Oberbauch
Gelbfärbung von Haut oder Augen dunkler Urin, heller Stuhl zunehmender Bauchumfang durch Flüssigkeit deutlicher Leistungsabfall
Erste Warnsignale nicht übersehen
Für Menschen mit erhöhtem Risiko – etwa bei Leberzirrhose oder chronischer Hepatitis – wird eine Ultraschalluntersuchung alle sechs Monate empfohlen.
Wer regelmäßig zur Kontrolle sollte:
- Patienten mit Leberzirrhose
- Menschen mit chronischer
- Hepatitis B oder C
- Patienten mit entzündlicher Fettlebererkrankung
- Betroffene mit bestimmten Stoffwechselerkrankungen
Stadien der Leberzellerkrankung am Beispiel der Fettleber
Wie die Diagnose gesichert wird
Zur Abklärung werden moderne bildgebende Verfahren wie Ultraschall mit Kontrastmittel, MRT oder CT eingesetzt. Ergänzend werden Blutwerte bestimmt, darunter der Tumormarker AFP. In einzelnen Fällen ist eine Gewebeprobe erforderlich. Alle Befunde werden anschließend in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen. „Gastroenterologen, Chirurgen, Radiologen und
Onkologen beraten gemeinsam über das weitere Vorgehen. So erhält jeder Patient einen individuell abgestimmten Behandlungsplan“, erklärt Prof. Schiefke.
Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen
Welche Therapie infrage kommt, hängt vom Stadium des Tumors und von der Funktionsfähigkeit der Leber ab. Zum Einsatz kommen unter anderem:
- Verfahren, bei denen der Tumor gezielt zerstört wird, etwa durch Hitze (lokale Ablation)
- die sogenannte TACE, bei der der Tumor über die Blutgefäße mit Chemotherapie von innen behandelt oder die SIRT, bei dem eine Bestrahlung von innen vorgenommen wird
- eine operative Entfernung von Tumorgewebe
- medikamentöse Therapien
„Wir müssen immer zwei Aspekte berücksichtigen:
den Tumor selbst und die
Leistungsfähigkeit der verbleibenden Leber“, sagt Prof. Schiefke.
Behandlung im Team
Da Leberzellkrebs meist auf einer bereits vorgeschädigten Leber entsteht, erfordert die Therapie besondere Abstimmung. Neben der Tumorbehandlung muss auch die Grunderkrankung stabilisiert werden. Die enge Zusammenarbeit der Fachrichtungen sorgt dafür, dass Entscheidungen nicht isoliert getroffen werden. „Es geht nicht um eine Standardlösung, sondern um eine individuelle Therapie.“
Nach der Therapie eng begleiten
Auch nach Abschluss der eigentlichen Tumortherapie bleiben Patienten in regelmäßiger Kontrolle. In den ersten zwei Jahren erfolgen meist alle drei bis sechs Monate Untersuchungen mit Bildgebung und Laborwerten. Gleichzeitig wird die zugrunde liegende Lebererkrankung weiterbehandelt. Ziel ist es, Rückfälle früh zu erkennen und die Lebensqualität zu erhalten.
Was Sie selbst beitragen können
Wenn eine Lebererkrankung bekannt ist, können Betroffene selbst viel tun:
- empfohlene Kontrolltermine wahrnehmen
- eine Virushepatitis konsequent behandeln lassen
- Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes gut einstellen
- Alkohol möglichst meiden
- Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen
„Je früher wir Veränderungen erkennen, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten“, sagt Prof. Schiefke. „Die regelmäßige Betreuung ist daher ein entscheidender Faktor.“


