Nach dem Knochenbruch wieder aufstehen

Juni 03, 2026
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Alterstraumatologie bezeichnet die spezialisierte Behandlung älterer Menschen nach einem Unfall. Am Klinikum St. Georg arbeiten Unfallchirurgie und Geriatrie eng zusammen, um Mobilität und Selbstständigkeit möglichst schnell wiederherzustellen.

Ein gelesener mann posiert Lächelnd in einem Flur

PD Dr. med. Jörg Böhme    © Klinikum St. Georg

Eine gelesene Frau posiert im Arztkittel in einem Krankenhausflur

Dr. med. Claudia Schinköthe © Klinikum St. Georg

Ein Sturz, ein Knochenbruch – und plötzlich steht vieles infrage: die eigene Mobilität, die Selbstständigkeit, das Leben in den eigenen vier Wänden. Gerade im höheren Lebensalter kann eine Verletzung weitreichende Folgen haben. Warum ein Knochenbruch im Alter besonders riskant ist Typische Verletzungen betreffen den hüftnahen Oberschenkelknochen, die Wirbelsäule, das Becken sowie Ober- und Unterarm – auch Brüche in der Nähe von Hüft- oder Knieprothesen kommen vor. Ein Bruch des hüftnahen Oberschenkelknochens gilt als besonders kritisch, weil er im höheren Lebensalter häufig zu längerer Immobilität und schweren Folgeerkrankungen führen kann. Aufgrund vorbestehender chronischer Erkrankungen kommt es rund um die Operation zu einem erhöhten Risiko für Lungen- oder Harnwegsinfektionen oder akute Verwirrtheitszustände bis hin zum Delir. Schon kurze Phasen der Bettlägerigkeit führen rasch zu Muskelabbau. Das Gehvermögen nimmt ab – oft mit Folgen für den bisherigen Alltag. „Alter bedeutet eine besondere Verletzlichkeit – körperlich wie geistig. Daraufstellen wir unser Behandlungskonzept ein“, betont Dr. med. Claudia Schinköthe, Chefärztin der Klinik für Akutgeriatrie.

Wissenschaftliche Daten zeigen, dass die enge Zusammenarbeit von Unfallchirurgie und Geriatrie die Sterblichkeit nach einer Operation senken und die Mobilität verbessern kann. Für die Unfallchirurgie steht dabei die stabile Versorgung des Knochenbruchs im Mittelpunkt. „Entscheidend ist, dass Patienten so früh wie möglich wieder mobilisiert werden können“, sagt Privatdozent Dr. med. Jörg Böhme, Chefarzt der Unfallchirurgie.

Akutversorgung: von der Notaufnahme in den OP-Saal

Bei Patienten ab 70 Jahren mit einem hüftnahen Oberschenkelbruch erfolgt die Erstuntersuchung durch die Unfallchirurgie. „Die hüftnahe Oberschenkelfraktur gilt als eine der schwersten Unfallverletzungen im höheren Lebensalter und muss in einem dafür spezialisierten Krankenhaus behandelt werden“, erklärt Dr. Jörg Böhme.  Für diese Verletzung gelten klare medizinische Standards: In der Regel erfolgt die Operation innerhalb von 24 Stunden. Ziel ist eine stabile Versorgung des Bruchs, damit Patienten möglichst früh wieder mobilisiert werden können.  Parallel wird ein geriatrisches Konsil hinzugezogen – also eine zusätzliche Einschätzung durch einen Facharzt für Altersmedizin. Auch die Physiotherapie wird von Beginn an eingebunden.

Das gemeinsame Behandlungskonzept auf einen Blick

Eine grafik einer älteren Person mit Gehstöcken

© Pandagolik | Freepik 

Operative Versorgung des Knochenbruchs  (Unfallchirurgie)
• möglichst frühe Mobilisation nach der Operation
• geriatrische Mitbeurteilung bei Bedarf (positives Screening)
• frühzeitige Entlassungsplanung
• Team: Ärzte, Pflege, Therapeuten, Sozialdienst

 

 

 

 

 

 

Schnell wieder auf die Beine – und gut vorbereitet nach Hause

Nach der Operation beginnt die nächste wichtige Phase der Behandlung. Ziel ist, dass Patienten möglichst schnell wieder mobil werden und sich körperlich stabilisieren. „Bei älteren Patienten reicht es nicht, nur den Bruch zu versorgen – wir müssen den ganzen Menschen mit seinen Vorerkrankungen und seiner Lebenssituation im Blick haben“, sagt Dr. Schinköthe. Neben der operativen Versorgung achten Ärzte, Pflege und therapeutische Fachkräfte daher auch auf eine angepasste Medikamentendosierung, ausreichende Ernährung und eine wirksame Schmerztherapie. Parallel beginnt die Entlassungsplanung: Wie lange bleibt der Patient im Krankenhaus? Ist eine geriatrische Frührehabilitation sinnvoll? Muss Pflege organisiert werden?

Stürze vermeiden, Selbstständigkeit sichern

Im Mittelpunkt steht, dass Patienten wieder sicher gehen, sich selbst versorgen und ihren Alltag möglichst eigenständig bewältigen können. Wie schnell das gelingt, hängt von der Verletzung und vom allgemeinen Gesundheitszustand ab – und entscheidet oft darüber, ob jemand in die eigene Wohnung zurückkehren kann.  Um erneute Stürze zu vermeiden, wird das individuelle Risiko erfasst. Hilfsmittel wie Gehbank, Rollator oder Rollstuhl kommen frühzeitig zum Einsatz. Wichtig sind auch rutschfestes Schuhwerk Brillen und Hörgeräte sowie eine gute Beleuchtung. Bei besonders sturzgefährdeten Patienten wird darauf geachtet, dass sie nur in Begleitung aufstehen. Viele ältere Menschen erreichen nach einem Unfall wieder ihre frühere Selbstständigkeit – vorausgesetzt, Behandlung, Frührehabilitation und soziale Unterstützung greifen gut ineinander.

Warum Angehörige so wichtig sind

Ein Unfall im höheren Lebensalter verunsichert Patienten und Familien gleichermaßen. Angehörige können die Genesung unterstützen – etwa durch regelmäßige Besuche, Motivation und die Mitwirkung bei der Entlassungs- und Zukunftsplanung. Auch bei der Organisation der weiteren Versorgung sind sie wichtige Ansprechpartner. Sozialarbeiter und Fallmanager helfen bei Reha-Anträgen, Pflegegradfragen oder der Organisation von Hilfsmitteln. Ein Geriatriekoordinator steht zusätzlich als Ansprechpartner zur Verfügung.

Zwei ältere Personen laufen über eine Wiese mit Bäumen, wobei die weiblich gelesene Person eine Gehhilfe nutzt und die männlich gelesene Person unterstützt.

Unterstützung im Alltag trägt dazu bei, dass ältere Patienten nach einem Unfall wieder sicher auf die Beine kommen © wavebreakmedia | Shutterstock

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