Wenn Mensch und Maschine im Takt arbeiten, entsteht Hochpräzision: Das robotisch assistierte OP-System am Klinikum St. Georg ermöglicht Eingriffe mit maximaler Genauigkeit und minimaler Belastung.
Ein leises Surren, vier bewegliche Arme, ein Monitor mit gestochen scharfem 3D-Bild: Wer in den OP-Saal des Klinikums St. Georg blickt, sieht sofort – hier arbeitet Hightech an der Seite der Chirurgen. Doch gesteuert wird alles von Menschenhand. Das robotisch assistierte Operationssystem – Modell Da Vinci X – unterstützt die Operateure bei Eingriffen, die höchste Präzision verlangen. Mittlerweile wird das System in mehreren Fachrichtungen eingesetzt – von der Urologie über Viszeral- bis zur Thoraxchirurgie. Die nächste Fachrichtung, die den OP-Roboter nutzen wird, ist die Gynäkologie. Ziel ist es, Operationen noch schonender zu gestalten und die Erholungszeit für Patienten zu verkürzen.
Kleine Schnitte, große Wirkung
Mit dem Operationssystem lassen sich Eingriffe durchführen, die früher große Schnitte erforderten. Es überträgt jede Handbewegung des Operateurs präzise auf feine Instrumente im Körper – ruhig, stabil und mit dreidimensionaler Sicht. So können Chirurgen Strukturen erkennen und gezielt operieren, wo jeder Millimeter zählt.
„Nach der Operation erholen sich die Patienten deutlich schneller und können das Krankenhaus früher verlassen“, sagt Dr. Wolf Behrendt, Leitender Oberarzt der Klinik für Urologie und Andrologie. „Das Gewebe wird geschont, die Narben sind klein, und viele fragen inzwischen gezielt nach dieser Methode.“
Besonders in der Urologie ist die robotisch assistierte Chirurgie längst etabliert – etwa bei Eingriffen an Prostata, Niere oder Harnblase. „Wir können damit noch genauer operieren, Blutungen vermeiden und wichtige Funktionen wie Kontinenz und Potenz besser erhalten“, so Dr. Behrendt.
Technik, die den Menschen unterstützt
Das System besteht aus drei Komponenten: einem Patientenwagen mit vier Roboterarmen – drei für Instrumente, einer für die Kamera –, der Chirurgenkonsole sowie einem Vision-Cart für Bild- und Lichtsteuerung.
„Wir schaffen zunächst die Zugänge, docken das System an, und ab dann steuere ich die Instrumente von der Konsole aus“, erklärt Dr. Behrendt. „Jede Bewegung wird exakt umgesetzt.“
Der Begriff „Roboter“ ist dabei etwas irreführend: Das System führt keine Bewegungen selbst aus, sondern agiert als hochpräzises Assistenzwerkzeug – gesteuert bis in den letzten Millimeter vom Chirurgen.
Für die Teams im OP bedeutet das intensive Vorbereitung und viel Training. „Alle müssen genau wissen, wann welcher Schritt erfolgt – vom Andocken bis zum Abschluss der Operation“, sagt Dr. Behrendt. „Das funktioniert bei uns hervorragend, weil wir seit Jahren eingespielt sind.“
Sicher auf engstem Raum
Auch in der Thoraxchirurgie eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten. „Bei Tumoren im Mittelfellraum liegen Nerven, Gefäße und das Herz dicht beieinander“, sagt Dr. Johannes Wurlitzer, Oberarzt der Thoraxchirurgie. „Das System hilft uns, auf engstem Raum sicher und schonend zu arbeiten.“
Für die Patienten bedeutet das: kleinere Schnitte, weniger Schmerzen und meist eine schnellere Genesung. „Auch bei Lungenoperationen ist die robotische Chirurgie in einigen europäischen Spitzenzentren bereits Standard“, sagt Dr. Wurlitzer. „Am Klinikum St. Georg werden wir diese Technik künftig noch breiter einsetzen.“
In der Viszeralchirurgie zeigt das System seine Stärken vor allem bei Eingriffen, bei denen höchste Genauigkeit gefordert ist – zum Beispiel an Enddarm, Magen oder Bauchspeicheldrüse. „Gerade bei bösartigen Erkrankungen ist Präzision entscheidend“, erklärt Prof. Boris Jansen-Winkeln, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. „Wir müssen Lymphknoten gründlich entfernen, gleichzeitig aber empfindliche Strukturen wie Nerven oder Harnleiter schonen. Das gelingt mit dem System besonders gut, weil es eine perfekte Sicht bietet – konstant und ruhig, auch über längere Eingriffe hinweg.“
Viele Operationen lassen sich nach wie vor hervorragend mit klassischen mini-malinvasiven Verfahren durchführen – der OP-Roboter ist vor allem bei besonders komplexen oder präzisionsabhängigen Eingriffen ein Gewinn.
Erfahrung bleibt entscheidend
So modern die Technologie ist – sie ersetzt keine chirurgische Erfahrung. „Das System ist ein Werkzeug, das uns hilft, noch präziser zu arbeiten“, betont Prof. Jansen-Winkeln. „Erst in der Hand eines eingespielten Teams entfaltet es seine vollen Vorteile.“ Das Klinikum St. Georg setzt den Operationsroboter bereits in mehreren chirurgischen Fachbereichen ein und plant, den Einsatz weiter auszubauen. „Wir sehen die Technik nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um Patienten bestmöglich zu behandeln“, fasst Prof. Jansen-Winkeln zusammen. So verbindet sich im OP am Klinikum St. Georg menschliches Können mit technischer Präzision – für Eingriffe, die Patienten schneller zurück ins Leben bringen.
„Das System ist ein Werkzeug, das uns hilft, noch präziser zu arbeiten.“
Die Vorteile des Operationsroboters
- Minimalinvasiv: Nur kleine Schnitte nötig
- Sicher: Volle Kontrolle durch den Operateur
- 3D-Sicht: Vergrößerte, hochauflösende Darstellung
- Präzise: Bewegungen werden millimetergenau übertragen
- Schonen: Weniger Blutverlust, geringere Schmerzen, kürzere Heilungszeit







