Sanft operieren ganz ohne Bauchschnitt

Dr. med. Anne Zaiß

Dr. med. Anne Zaiß © Klinikum St. Georg

Das vNOTES-Verfahren in der Gynäkologie verkürzt Heilungszeiten und ermöglicht Eingriffe über den natürlichen Zugang der Vagina. Patientinnen profitieren von weniger Schmerzen und einer schonenden Behandlung.

Viele Frauen benötigen im Laufe ihres Lebens einen Eingriff an den inneren Geschlechtsorganen – etwa bei gutartigen Myomen, einer Gebärmuttersenkung oder Veränderungen an den Eierstöcken. Dank moderner, minimalinvasiver Techniken sind große Bauchschnitte heute selten geworden.

Mit dem vNOTES-Verfahren geht das Klinikum St. Georg nun noch einen Schritt weiter: Operiert wird über die Scheide – ganz ohne sichtbare Narben am Bauch.

Zwei Methoden, ein Zugang

vNOTES steht für „vaginal Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery“ – eine moderne, endoskopische Operation über die Scheide. Das Operationsteam nutzt also einen natürlichen Zugang, führt Kamera und feine Instrumente ein und arbeitet im Beckenraum ohne sichtbare Hautschnitte.

„vNOTES verbindet die Vorteile des vaginalen Operierens mit der zusätzlichen Sicherheit der Bauchspiegelung“, erklärt Dr. med. Anne Zaiß, Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum St. Georg. Patientinnen profitieren von kürzerer Erholungszeit, weniger Schmerzen und geringerer Blutungsneigung als bei einem Bauchschnitt. „Viele können schon nach wenigen Tagen wieder leichte Alltagsaktivitäten aufnehmen“, sagt Dr. Zaiß. „Auch der Aufenthalt im Krankenhaus verkürzt sich deutlich.“

Wie läuft die Operation ab?

Am häufigsten wird vNOTES bei einer Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) eingesetzt. Zu Beginn eröffnet das OPTeam vorsichtig das vordere und hintere Scheidengewölbe und platziert ein Port-System, über das Kamera und Instrumente eingeführt werden. Für eine optimale Sicht wird etwas CO2-Gas in den Bauchraum geleitet. Anschließend werden die Haltestrukturen der Gebärmutter schrittweise gelöst, und die Gebärmutter wird über die Scheide entfernt. Eierstöcke und Eileiter können bei Bedarf über denselben Zugang sicher mitentfernt werden. Zum Abschluss werden die Zugänge mit wenigen Nähten verschlossen.

Nach dem Eingriff wird die Patientin kurz überwacht und kann meist nach ein bis zwei Tagen die Klinik verlassen. Die Wundkontrolle und Nachsorge übernimmt der niedergelassene Frauenarzt.

Zeichnung der weiblichen Geschlechtsorgane mit Beschriftung der Eileiter, Eierstöcke, Gebärmutter und Blase

Wann ist vNOTES geeignet – und wann nicht?

Das vNOTES-Verfahren eignet sich vor allem bei gutartigen Erkrankungen, etwa bei Gebärmuttersenkung, Muskelknoten in der Gebärmutter (Myome) oder gutartigen Eierstockzysten.

Nicht geeignet ist die Methode bei bösartigen Erkrankungen, ausgeprägten Verwachsungen, akuten Entzündungen oder Notfällen im Unterbauch – beispielsweise bei Eileiterschwangerschaften, geplatzten Zysten oder Eiteransammlung im Bereich von Eileiter und Eierstock. Auch für Patientinnen, die den Gebärmutterhals erhalten möchten (LASH), ist vNOTES nicht der richtige Zugangsweg.

„Vor jeder Operation prüfen wir individuell, welches Verfahren am besten geeignet ist“, sagt Dr. Zaiß. „Dabei spielen Vorerkrankungen, Körperbau und Geburtsvorgeschichte eine Rolle.“

Bei Frauen, die noch keine Kinder vaginal geboren haben, kann der Zugang über die Scheide weniger günstig sein – das wird im Vorfeld sorgfältig beurteilt. Vor jeder geplanten Operation erfolgen Anamnese, gynäkologische Untersuchung, Ultraschall, Blutentnahmen sowie die Narkoseaufklärung. „Wir erläutern immer alle möglichen Zugangswege – also auch die klassische Bauchspiegelung über kleine Schnitte in der Bauchdecke oder den offenen Eingriff – und besprechen deren Vor- und Nachteile“, erklärt Dr. Zaiß. „So treffen Patientin und Operateur gemeinsam eine fundierte Entscheidung.“ Die bisherigen Erfahrungen am Klinikum St. Georg sind sehr positiv: Komplikationen sind selten, die meisten Patientinnen berichten über wenig Schmerzen und eine schnelle Erholung.

„Ich freue mich, diese Technik anwenden zu können“, sagt Dr. Zaiß. „Sie vereint die Vorteile des vaginalen und des laparoskopischen Operierens und ermöglicht uns, Eingriffe noch schonender und sicherer zu gestalten.“

Ein Verfahren mit Zukunft

Am Klinikum St. Georg wird vNOTES bereits erfolgreich eingesetzt – vor allem bei Gebärmutterentfernungen, mit oder ohne Mitentfernung der Eierstöcke und Eileiter. Künftig könnten auch isolierte Eingriffe an den Eierstöcken über diesen Zugang erfolgen. „Uns ist wichtig, die Methode dort einzusetzen, wo sie Patientinnen wirklich nützt“, betont Dr. Zaiß. „vNOTES ist ein sicheres und effektives Verfahren, das die Vorteile der minimalinvasiven Chirurgie optimal mit dem vaginalen Zugang verbindet.“

In einem Operationssaal operieren eine Ärztin und ein Arzt eine Frau über die Vagina.

Beim vNOTES-Verfahren werden spezielle Instrumente
durch die Vagina eingeführt, anstatt Schnitte am Bauch
vorzunehmen. So erreicht das OP-Team Gebärmutter,
Eileiter und Eierstöcke ohne sichtbare Narben. © Klinikum St. Georg

 

Die Vorteile von vNOTES auf einen Blick

  • Keine sichtbaren Narben am Bauch
  • Kürzere Erholungszeit, schnelle Rückkehr in den Alltag
  • Weniger Blutverlust und geringere Schmerzen
  • Nur ein bis zwei Tage Klinikaufenthalt
  • Sichere Kamerasicht für präzises Arbeiten
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