Strahlung gegen Schmerzen

Dr. med. André Liebmann am Orthovoltgerät beim Einrichten einer Röntgenreizbestrahlung.

Dr. med. André Liebmann am Orthovoltgerät beim Einrichten einer Röntgenreizbestrahlung. © Klinikum St. Georg

Wenn Gelenkschmerzen zur Dauerbelastung werden, eröffnet eine alte Therapie neue Wege: Die Röntgenreizbestrahlung kann Entzündungen lindern. Sanft, präzise und oft mit erstaunlicher Wirkung.

Wer unter chronischen Gelenkschmerzen leidet, denkt dabei selten an Strahlentherapie. Doch das Verfahren kann nicht nur bei Tumorerkrankungen hilfreich sein, sondern auch bei schmerzhaften Entzündungen der Gelenke. Dr. André Liebmann, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Klinikum St. Georg, erklärt, wie die Behandlung funktioniert und wann sie sinnvoll ist.

Wenn andere Therapien nicht mehr helfen

Fersensporn, Tennisellenbogen, schmerzhaftes Daumensattelgelenk oder Arthrose im Knie – solche Beschwerden sind
häufig und oft hartnäckig. Wenn Physiotherapie, Medikamente oder Injektionen keine ausreichende Linderung bringen, kann eine sogenannte Röntgenreizbestrahlung die Entzündung reduzieren (als Synonym: Entzündungsbestrahlung). „Das ist eine seit vielen Jahrzehnten bewährte Methode“, sagt Dr. Liebmann. „Sie hilft, Schmerzen zu lindern und Beweglichkeit zurückzugewinnen, wenn andere Maßnahmen ausgeschöpft sind.“

Sanfte Strahlung zur Entlastung des Gewebes

Bei dieser Therapieform kommen sehr niedrige Strahlendosen zum Einsatz. „Damit beeinflussen wir gezielt die entzündeten Strukturen, ohne das umliegende Gewebe zu belasten“, erklärt Dr.
Liebmann.

Die Behandlung erfolgt ambulant und ist schmerzfrei. Pro Sitzung wird nur mehrere Sekunden bis wenige Minuten bestrahlt. Ein Zyklus umfasst in der Regel sechs Sitzungen, die zwei- bis dreimal pro Woche stattfinden. Nach einer Pause von mehreren Wochen kann die Serie bei Bedarf wiederholt werden.

Was im Körper passiert

Chronische Gelenkschmerzen beruhen oft auf einer sogenannten sterilen Entzündung: Abnutzungserscheinungen oder dauerhafte Überbelastungen setzen spezielle Botenstoffe frei, die Abwehrzellen in das betroffene Gebiet schicken. Diese halten das Schmerzsignal dauerhaft aufrecht und verstärken es zunehmend.

„Diese Zellen reagieren sehr empfindlich auf niedrige Strahlendosen“, erläutert Dr. Liebmann. „Durch die Bestrahlung wird der Entzündungsreiz unterbrochen – das Gewebe kann sich beruhigen.“

Einige Patienten berichten, dass die Beschwerden während der Behandlung zunächst kurz stärker werden. „Das ist ein Zeichen, dass sich etwas verändert“, sagt Dr. Liebmann. „Die Besserung setzt meist nach vier bis zwölf Wochen ein.“

Minimalistische Zeichnung eines sich bückenden Menschen, der an sein rotes Knie fasst

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So läuft die Röntgenreizbestrahlung ab

  • Sechs ambulante Sitzungen, jeweils zwei- bis dreimal pro Woche
  • Dauer pro Sitzung: mehrere Sekunden bis wenige Minuten
  • Keine Schmerzen während der Bestrahlung
  • Wirkung meist nach vier bis zwölf Wochen spürbar
  • Bei Bedarf Wiederholung der Serie möglich

 

 

 

Für wen sich die Behandlung eignet

Die Röntgenreizbestrahlung kommt vor allem bei degenerativ-entzündlichen Gelenkerkrankungen zum Einsatz. Dazu gehören:

  • Fersensporn und Achillessehnenreizungen
  • Tennis- oder Golfellenbogen
  • Arthrose der kleinen Gelenke (z. B. Daumensattelgelenk, Fingergelenke)
  • Arthrose der großen Gelenke (z. B. Knie, Hüfte, Schulter)
  • Entzündliche Reizzustände nach Überlastung

Empfohlen ist die Behandlung in der Regel ab dem 40. Lebensjahr, wenn andere konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind. „Jüngere Patienten behandeln wir aus strahlenhygienischen Gründen nur in Ausnahmefällen“, so Dr. Liebmann.

Nebenwirkungen und Sicherheit

Die Strahlendosis ist so niedrig, dass Nebenwirkungen kaum zu erwarten sind. Eine vorübergehende Schmerzverstärkung tritt häufiger auf, dessen sollte man sich bewusst sein. „Das Verfahren
ist wissenschaftlich gut belegt“, betont Dr. Liebmann. Studien zeigen, dass etwa 70 bis 80 Prozent der Behandelten über eine deutliche Schmerzlinderung oder sogar Beschwerdefreiheit berichten.
„Viele können danach wieder Treppen steigen, Sport treiben oder ihren Alltag ohne Schmerzmittel bewältigen.“

Moderne Technik am Klinikum

Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Klinikum St. Georg hat ihre Geräte in den vergangenen zwei Jahren umfassend modernisiert. „Wir verwenden ein Orthovoltgerät für kleinere Gelenke und moderne Linearbeschleuniger für größere Gelenke wie Knie oder Hüfte“, sagt Dr. Liebmann. „Damit können wir jede Behandlung individuell anpassen.“ Auch die Zusammenarbeit mit Hausärzten und Orthopäden funktioniert eng: Sie überweisen ihre Patienten meist, wenn konventionelle Therapien ausgeschöpft sind. Die Terminvergabe erfolgt über das MVZ des Klinikums. Bewährtes Verfahren mit Zukunft Ob Fersensporn, Tennisellenbogen oder schmerzende Arthrose anderer Gelenke, die Röntgenreizbestrahlung kann helfen, Schmerzen zu lindern oder sogar zu beseitigen. „Viele sind überrascht, dass Strahlentherapie so vielseitig eingesetzt werden kann“, sagt Dr. Liebmann. „Bei richtiger Indikation ist sie eine sanfte, wissenschaftlich gesicherte Methode, die Lebensqualität zurückbringt.“ Die Wirkung ist bereits fast 100 Jahre bekannt und erfährt eine Renaissance.

 

Terminvergabe für die Röntgenreizbestrahlung per Telefon: 0341 909-2803

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