Wenn das Herz aus dem Takt gerät

PD Dr. med. habil. Norbert Klein

PD Dr. med. habil. Norbert Klein © Klinikum St. Georg

Kleine Geräte mit großer Wirkung: Moderne Herzschrittmacher retten Leben, unterstützen den natürlichen Herzrhythmus und passen sich dem Alltag ihrer Träger an – für mehr Sicherheit, Aktivität und Lebensqualität.

Ein gesunder Herzschlag passt sich den Anforderungen des Körpers an: In Ruhe schlägt das Herz langsam, bei Belastung schneller. Gerät dieser Rhythmus aus dem Gleichgewicht, spricht man von Herzrhythmusstörungen. Manche sind harmlos, andere können gefährlich werden. „Vor allem ein dauerhaft zu langsamer Puls ist problematisch – insbesondere, wenn Schwindel oder Ohnmacht auftreten. Dann ist ein Herzschrittmacher die richtige Therapie“, erklärt Dr. Norbert Klein, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin am Klinikum St. Georg.

Herzschrittmacher gehören zu den ältesten therapeutischen Technologien der Kardiologie. Erste Geräte wurden seit dem Jahr 1958 implantiert. Seitdem hat sich die Technik rasant entwickelt. Heute stehen zahlreiche Systeme zur Verfügung, die sich individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abstimmen lassen.

Herzschrittmacher

Der kleine Herzschrittmacher hält Leben auf Trab © Alexlmx | adobestock.com

So arbeitet ein Schrittmacher

Ein Schrittmacher besteht aus einem kleinen Aggregat, das unter der Haut eingesetzt wird, und dünnen Elektroden, die ins Herz führen. Das Gerät überwacht den Herzrhythmus und gibt bei Bedarf schwache elektrische Impulse ab. Diese Impulse lösen eine Kontraktion des Herzmuskels aus und sorgen dafür, dass das Herz regelmäßig schlägt.

Die Technik ist dabei äußerst präzise: Erkennt der Schrittmacher, wenn das Herz von allein schlägt, bleibt er „stumm“. Nur wenn die Herzfrequenz zu niedrig ist, gibt er Impulse ab. Zudem erkennen die Geräte Situationen körperlicher Belastung und passen die Stimulationsfrequenz dann entsprechend automatisch an, etwa beim Spazierengehen oder Treppensteigen.

 

 

Klassische Einsatzgebiete

Die Hauptindikation für einen Schrittmacher ist eine sogenannte Bradykardie, also ein zu langsamer Herzschlag. Tritt sie auf, ist die Herzfrequenz oft unter 40 Schlägen pro Minute. Für Betroffene bedeutet das Kreislaufprobleme, in schweren Fällen auch Ohnmachtsanfälle, das kann zum Beispiel zu Stürzen führen. Hier sorgt der Schrittmacher für Sicherheit  und Stabilität.

Moderne Verfahren beugen Herzschwäche vor

Lange Zeit galt die Schrittmachertherapie ausschließlich als Lösung für zu langsame Herzrhythmen. Inzwischen spielt sie auch in der Behandlung der Herzinsuffizienz, also der Herzschwäche, eine wichtige Rolle.

Bei manchen Patienten kann eine herkömmliche Stimulation die Herzschwäche sogar verstärken. Grund: Die Erregung des Herzmuskels breitet sich nicht mehr physiologisch aus. Um dem entgegenzuwirken, gibt es heute die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT). Dabei stimulieren Elektroden sowohl die rechte als auch die linke Herzkammer. Das Herz schlägt wieder synchron – die Pumpleistung verbessert sich deutlich oder bleibt zumindest erhalten.

Eine noch neuere Entwicklung ist das Conduction System Pacing (CSP). Hier wird direkt am natürlichen Erregungsleitungssystem in der Herzscheidewand stimuliert. Erste Studien zeigen, dass diese Methode ähnlich wirksam ist wie CRT und in Zukunft sogar deren Stelle einnehmen könnte. „Mit CRT und CSP haben wir heute Verfahren, die Herzschwäche nicht verschlechtern, sondern im Gegenteil verbessern oder sogar vermeiden können“, so Dr. Klein.

Neue Generation von Geräten

Neben den klassischen Schrittmachern gibt es inzwischen kabellose Systeme in Miniaturgröße, die direkt in die Herzkammer implantiert werden. Sie sind so klein wie eine AA-Batterie und benötigen keine Elektroden in den Blutgefäßen – ein Vorteil vor allem bei Patienten mit wiederholten System-Infektionen, verschlossenen Venen oder Dialysepatienten.

Im Herzkatheterlabor werden diagnostische und therapeutische Eingriffe am Herzen durchgeführt.

Im Herzkatheterlabor werden diagnostische und therapeutische Eingriffe am Herzen durchgeführt. © Klinikum St. Georg

Ablauf und Nachsorge

Die Implantation eines Schrittmachers ist ein Routineeingriff, der in örtlicher Betäubung hauptsächlich ambulant durchgeführt wird und meist nur 40 bis 60 Minuten dauert. Nach wenigen Stunden Überwachung können viele Patienten die Klinik wieder verlassen. Wichtig ist die regelmäßige Nachsorge: Die elektrischen Werte des Systems werden kontrolliert, die Batterie des Gerätes überprüft und mögliche Infektionszeichen ausgeschlossen. Viele Systeme sind heute Home-Monitoring-fähig und senden ihre Daten automatisch an die Klinik oder betreuende Praxis. Eine persönliche Vorstellung ist dann nur noch einmal im Jahr nötig.

Alltag mit Schrittmacher

Die meisten Patienten können mit einem Schrittmacher ein normales Leben führen. Auch Supermarktschranken oder Induktionsherde sind unproblematisch. Vorsicht ist lediglich bei MRT-Untersuchungen geboten – hier muss individuell geprüftwerden, ob das Gerät geeignet ist.

„Unser Ziel ist es, für jeden Patienten die optimale Therapie zu wählen. Am Klinikum St. Georg bieten wir das gesamte Spektrum der modernen Schrittmachertherapie an – von klassischen Geräten bis hin zu innovativen Verfahren wie CRT und CSP“, betont Dr. Klein.

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