Wenn ein Infekt die Nieren lahmlegt

Im Klinikum St. Georg behandeln Spezialisten Kinder in Zusammenarbeit mit dem sachsenweit einzigen Kinderdialysezentrum bei schweren und lebensbedrohlichen Nierenerkrankungen.

Ein Sommerausflug, ein paar Tage später Durchfall – zunächst wirkt alles harmlos. Doch bei Sven (Name geändert), damals drei Jahre alt, verschlechterte sich der Zustand dramatisch. Er konnte nichts mehr trinken, wurde schwächer, schließlich setzte die Nierenfunktion aus. „Es wurde immer schlimmer, Sven konnte nicht einmal Wasser bei sich behalten“, erinnert sich sein Vater. In Berlin gab es keine freien Kapazitäten mehr, ein Hubschrauber brachte den kleinen Patienten nach Leipzig ins Klinikum St. Georg. Dort gelang es den Spezialisten, sein Leben zu retten.

Dr. med. Michael Pohl, Dr. med. Marlen Zurek und Dr. med. Tillmann Wallborn

Dr. med. Michael Pohl, Dr. med. Marlen Zurek und Dr. med. Tillmann Wallborn (v.l.n.r.) © Klinikum St. Georg

 

Warum schnelle Hilfe zählt

Hinter Svens Krankheitsverlauf steckt das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). „In den meisten Fällen entsteht HUS nach einer Infektion mit bestimmten Bakterien, den sogenannten EHEC“, erklärt Dr. Michael Pohl, Facharzt für Kindernephrologie. „Diese Keime produzieren ein Gift, das Blutgefäße in den Nieren angreift. Die feinen Filter verstopfen – unter anderem durch Blutplättchen. Rote Blutkörperchen werden zerstört und die Niere stellt ihre Arbeit ein.“ Besonders gefährdet sind Kleinkinder bis fünf Jahre. Typische Warnzeichen sind anhaltender Durchfall, blutiger Stuhl, ungewöhnliche Blässe oder eine verringerte Urinmenge. „Bei solchen Symptomen sollte sofort ein Kinderarzt oder Kindernephrologe aufgesucht werden“, betont Dr. Pohl.

So erkennen Ärzte die Krankheit

Damit die richtige Behandlung sofort beginnen kann, zählt jede Stunde. Zunächst wird das Blut untersucht: Zeigen sich typische Veränderungen bei Blutplättchen, roten Blutkörperchen oder Nierenwerten, erhärtet sich der Verdacht. Ein PCRTest weist die Bakterien nach, die das schädigende Gift produzieren können. Ultraschallbilder geben Aufschluss über den Zustand der Nieren.

„Wichtig ist die schnelle Abgrenzung von anderen Erkrankungen“, erklärt Dr. Tillmann Wallborn, Oberarzt und Spezialist für Kinderintensivmedizin und Kindernephrologie. „Denn es gibt auch nichtinfektiöse HUS-Formen, die ganz anders behandelt werden. Oft haben wir innerhalb eines Tages Klarheit.“

Dialyse – Hilfe, bis die Nieren sich erholen

Wenn die Nieren ausfallen, übernimmt die Dialyse deren Aufgabe. Über ein spezielles Filtersystem oder das Bauchfell wird das Blut gereinigt, Giftstoffe und überschüssiges Wasser werden entfernt. „So verschaffen wir dem Körper Zeit, sich selbst zu erholen“, sagt Dr. Pohl. Je nach Verlauf dauert diese Phase von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen. Die gute Nachricht: Die meisten Kinder erholen sich vollständig. Nur in seltenen Fällen bleiben langfristige Schäden wie Bluthochdruck oder Eiweißausscheidungen im Urin zurück. Eine dauerhafte Dialysepflicht ist sehr selten.

Hilfe aus einer Hand

Das Klinikum St. Georg verfügt über das einzige Kinderdialysezentrum in Sachsen und ist damit eine wichtige Anlaufstelle für die gesamte Region. Mit schneller Diagnose, Dialyse und intensiver Betreuung erhalten sie die Organfunktion der Nieren. „Wir vereinen Kindernephrologie und Intensivmedizin unter einem Dach und arbeiten eng mit dem Dialyseverein KfH zusammen“, erklärt Dr. Wallborn. Rund 15 spezialisierte Fachkräfte kümmern sich hier um junge Patientinnen und Patienten. Diese Struktur ermöglicht schnelle Diagnosen, gezielte Therapien und eine engmaschige Nachsorge.

„Dass wir Dialyse und Intensivmedizin an einem Ort bündeln können, macht unser Zentrum besonders leistungsfähig“, ergänzt Dr. Pohl. „Wir können akute Notfälle wie Sven ebenso versorgen wie Kinder mit chronischen Nierenerkrankungen.“

Leben nach der Krise

Auch nach der akuten Erkrankung bleibt die Betreuung wichtig: regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion, Blutdruckmessungen, Urinuntersuchungen und Ultraschall. „Unser Ziel ist es, die Nierenfunktion langfristig bestmöglich zu erhalten“, sagt Dr. Pohl. Für Svens Eltern überwiegt heute die Erleichterung. „Wir sind froh, dass unser Kind in Leipzig so gut versorgt wurde. Es geht bergauf – und wir fühlen uns im St. Georg bestens aufgehoben“, sagt sein Vater.

Zeichnung der Nieren

© Pikisuperstar | freepik.com

 

Warnzeichen für Eltern

  • Anhaltender und vor allem blutiger Durchfall
  • Plötzlich verminderte Urinausscheidung
  • Ungewöhnliche Blässe, Müdigkeit, Schwäche
  • Schwellungen oder Bluthochdruck

Bei diesen Symptomen sofort einen Kinderarzt oder einen Kindernephrologen aufsuchen!

Kontakt: 
Telefon Dr. med. Michael Pohl: 0341 909-3640
Telefon Dr. med. Marlen Zurek: 0341 909-3601
Telefon Dr. med. Tillmann Wallborn: 0341 909-3648
Mail: kinderzentrum@sanktgeorg.de

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