Strahlentherapie als schonende Alternative zur Operation: Auffällige Hautveränderungen können auf ein Basalzellkarzinom hindeuten. Moderne Bestrahlung erlaubt eine gezielte Behandlung mit guter Verträglichkeit
Ein kleiner Knoten auf der Haut, eine Stelle, die nicht richtig abheilt oder immer wieder blutet – dahinter kann sich ein Basalzellkarzinom verbergen. Dieser Tumor, auch „weißer Hautkrebs“ genannt, ist die häufigste Hautkrebsform. Er wächst meist langsam und streut nur selten in andere Organe, kann jedoch das umliegende Gewebe zerstören. Besonders häufig entsteht er im Gesicht oder am Hals.
„Eine langfristige UV-Belastung spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung dieser Tumoren“, erklärt Dr. med. André Liebmann, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie. „Deshalb sind vor allem sonnenexponierte Bereiche wie Gesicht und Hals betroffen.“ Gerade dort stellt sich häufig die Frage nach der bestmöglichen Behandlung.
Die vollständige operative Entfernung gilt grundsätzlich als Standardtherapie beim Basalzellkarzinom und kann den Tumor in vielen Fällen sicher beseitigen. Im Gesichtsbereich kann ein Eingriff jedoch schwierig sein. Ungünstig gelegene Tumoren können sichtbare Narben hinterlassen oder Funktionen beeinträchtigen – etwa an Nase oder Lippen. „Besonders im Gesicht spielt das kosmetische Ergebnis eine wichtige Rolle“, sagt Dr. Liebmann. „Wenn eine Operation funktionell oder ästhetisch problematisch sein könnte oder bereits erfolglos war, sollten alternative Behandlungsverfahren geprüft werden.“ Eine solche Alternative kann eine Strahlentherapie sein.
Am Klinikum St. Georg kommt bei bestimmten oberflächlichen Hauttumoren eine spezielle Form der Strahlentherapie zum Einsatz: die sogenannte Brachytherapie. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet „nahe“.
häufigste Form des sogenannten weißen Hautkrebses wächst meist langsam und streut nur selten entsteht häufig an sonnenexponierten Hautstellen wie Gesicht & Hals Standardtherapie ist die Operation bei ungünstiger Lage des Tumors oder wenn eine Operation nicht möglich ist, kann eine Strahlentherapie eine Alternative sein
„Bei der Brachytherapie wird eine kleine Strahlenquelle computergesteuert über einen Applikator direkt an die betroffene Hautstelle geführt“, erklärt Dr. Liebmann. „Die Bestrahlungsenergie kann dadurch sehr gezielt am Tumorgewebe abgegeben werden.“ Diese Methode eignet sich besonders für oberflächliche Hauttumoren, weil die Strahlendosis sehr kleinräumig wirkt und sich gut an die Form der Hautregion anpassen lässt.
Ein weiterer Vorteil liegt im vergleichsweise geringen Behandlungsaufwand. Während eine herkömmliche Strahlentherapie oft 15 bis 30 Sitzungen umfasst, sind bei der Brachytherapie deutlich weniger Termine ausreichend – das entlastet viele Patienten im Alltag. „Wenn sich eine Brachytherapie einsetzen lässt, reduziert sich der Behandlungsumfang in vielen Fällen auf etwa acht Bestrahlungssitzungen“, sagt Dr. Liebmann. „Sie finden nur zweimal pro Woche statt.“ Eine einzelne Sitzung dauert in der Regel etwa zehn bis fünfzehn Minuten. So läuft die Behandlung ab. Vor Beginn der Therapie wird zunächst genau festgelegt, welche Bestrahlungs- Basalzellkarzinom – das Wichtigste auf einen Blick häufigste Form des sogenannten weißen Hautkrebses wächst meist langsam und streut nur selten entsteht häufig an sonnenexponierten Hautstellen wie Gesicht & Hals Standardtherapie ist die Operation bei ungünstiger Lage des Tumors oder wenn eine Operation nicht möglich ist, kann eine Strahlentherapie eine Alternative sein.

Eine individuell gefertigte Moulage zur präzisen Hautkrebsbestrahlung (links), welche CT-gestützt geplant wird. © Klinikum St. Georg
Vor Beginn der Therapie wird zunächst genau festgelegt, welche Bestrahlungstechnik geeignet ist. Grundlage dafür sind die Befunde des Hautarztes sowie eine Gewebeuntersuchung, die den Tumor bestätigt.
Bei der Behandlung sitzen die Patienten in einem speziellen Bestrahlungsstuhl oder liegen auf einer Bestrahlungsliege. Ein individuell angepasster Applikator wird auf die betroffene Hautregion platziert und mit dem Bestrahlungsgerät verbunden. Beispiele sind ein Valencia- Applikator oder eine individuell angefertigte Moulage (siehe Foto). Das Behandlungsteam befindet sich aus Strahlenschutzgründen außerhalb des Raumes. Die Patienten werden jedoch ständig über Kamera und Mikrofon überwacht. „Die Bestrahlung selbst ist nicht spürbar und verursacht keine Schmerzen“, erklärt Dr. Liebmann.
Im Verlauf der Behandlungsserie reagiert die bestrahlte Haut meist mit einer Rötung. Diese tritt häufig nach mehreren Sitzungen auf und erreicht gegen Ende der Therapie ihren Höhepunkt. Manchmal treten auch zeitweise Krusten auf, die in der Regel innerhalb weniger Wochen nach Bestrahlungsabschluss wieder abklingen. Vorübergehend kann eine leichte Bräunung der Haut bestehen bleiben. Während der Behandlung sollten Patienten das bestrahlte Hautgebiet möglichst schonen. Dazu gehört zum Beispiel, auf Seife und mechanische Reibung zu verzichten sowie direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Auch nach erfolgreicher Behandlung bleiben regelmäßige Hautkontrollen wichtig.
Ob eine Operation oder eine Strahlentherapie sinnvoll ist, hängt immer von der individuellen Situation ab – etwa von Größe und Lage des Tumors, dem allgemeinen Gesundheitszustand und den
persönlichen Wünschen der Betroffenen.
„Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie gern mit Ihrem Hautarzt über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten“, empfiehlt Dr. Liebmann. „Gern beraten wir Patienten auch strahlentherapeutisch, damit gemeinsam die passende Therapieentscheidung getroffen werden kann.“ Wichtig ist, Veränderungen der Haut früh abklären zu lassen – dann sind die Behandlungschancen sehr gut.